Veränderte Kindheit

Wir wollen einmal genau hinschauen und nachfragen: Wie leben unsere Kinder heute in unserer Landgemeinde? Was hat sich für sie und ihre Familie wirklich verändert?

Wir stellen fest

  • Im Laufe der Jahre sind Siedlungsdichte, Ansiedlung von Industriebetrieben und Ausbau des Fremdenverkehrs gewachsen. Der Ausbau der Straßen, die Zunahme der Verkehrsdichte ist für alle sichtbar.
  • Das Grundbedürfnis von Kindern, ihre Umwelt, Wald, Wiese, Felder, Bäche usw. spielend und ohne Gefahr zu entdecken ist nur noch sehr eingeschränkt zu erfüllen. Immer häufiger verbleiben die Kinder im Schonraum des häuslichen Gartens.
  • Zusätzlich kommen Entwicklungen, wie die Emanzipation der Frau, eine hohe Scheidungsrate, erwerbstätige Mütter, Alleinerziehende, Pendler. Durch den Zuzug von Neubürgern löst sich das engmaschige soziale Netz der Dorfbevölkerung.
  • Immer weniger gibt es die großen Familien mit entsprechenden verwandtschaftsreichen Bezugspersonen.
  • Dadurch entsteht auch bei uns ein großer Bedarf nach Betreuung, unser Dorf braucht den Kindergarten dringend.
  • Auch auf dem Land unterliegt die Kindheit dem Sog von Modernisierung, Moden, Medien, Konsummöglichkeiten und der technisierten Leistungsgesellschaft.
  • Welches unserer "Landkinder" kennt noch nicht den Umgang mit Computer oder Handy? Viele unserer Kinder bevorzugen das stundenlange Sitzen vor dem Fernseher und vernachlässigen die Bewegung im Freien, das Experimentieren und das aktive Tun. Immer weniger Kinder sammeln ihre eigenen Erfahrungen. Das reichhaltige Spielmaterial wird häufig als pädagogisches Lernmittel genutzt. Der elterliche Leistungs- und Erwartungsdruck bezüglich der Bildung nimmt zu, somit treten Spiel, Spaß und Freude in den Hintergrund.

Auf Grund dieser großen Veränderungen in unserer Gesellschaft wird es für Familien immer schwerer, Kinder bei ihrem Hineinwachsen in die Welt zu begleiten. Hilfe und Unterstützung dazu erhalten sie durch den Kindergarten.

Unser Team hat sich nach jahrelanger Erprobung, nach interner und externer Fortbildung entschieden, als Grundlage unserer Pädagogik den Situationsansatz zu wählen.

Wir sind davon überzeugt, dass dieser pädagogische Ansatz am Besten geeignet ist, den Kindern zu helfen, in unsere sich ständig wandelnde Welt hineinzuwachsen und diese Schritte immer mehr zu verstehen. Der Situationsansatz ist für uns die beste Methode, um Kinder darin zu fördern, Lebenssituationen in der Gegenwart und Zukunft möglichst selbstbestimmt und sachgerecht zu bewältigen. Unsere Arbeit orientiert sich an den Lebensbedingungen der Kinder, unser Lernen erfolgt situativ im täglichen Miteinander, im Spiel und allen Aktivitäten, die für Kinder von Bedeutung sind.

Im Blick auf das Kind haben wir uns Ziele und Methoden erarbeitet, um unserem Bildungsauftrag in einer veränderten Kindheit gerecht zu werden.

Was verstehen wir unter situationsorientiertem Arbeiten im offenen Haus?

  • Mit Großen und Kleinen, Migrationskindern, Behinderten und Nichtbehinderten aufzuwachsen fördert ganz besonders die sozialen Entwickungschancen.
  • Im offenen Haus erschließt sich für alle Kinder ein breites Feld des Experimentierens.
  • Im situationsorientierten Arbeiten achten die Erzieher darauf, wann und in welchen mentalen Zonen Kinder entwicklungsoffen sind.
  • Wir organisieren mit den Kindern eine erfahrungsvielfältige und anregungsreiche Lernumgebung – Räume sind der dritte Erzieher.
  • Es ist wichtig, mit sensiblem und genauem Blick auf jedes einzelne Kind zu schauen. Dabei sehen wir die für jeden anders verlaufende Entwicklung, die Erweiterung des Horizonts, die Entfaltungsmöglichkeiten, unterschiedliche sprachliche Ausdrucksweisen oder eigene Problemlösungsstrategien.
  • Kinder dürfen mitgestalten und mitbestimmen. Sie werden zu Selbständigkeit herausgefordert, erhalten Wahlfreiheit und gewinnen Erfahrung in konkreten Lebenssituationen
  • Kleine Gruppen oder auch einzelne Kinder unternehmen Unterschiedliches, sie brauchen dafür unterschiedlich viel Zeit.

„Der Weg ist das Ziel“

Unser pädagogisches Personal soll für jedes Kind immer Mitforscherin, Mitentdeckerin, Entwicklungsbegleiterin, Moderatorin und Mitlernende sein.

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